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Aktuelle Entwicklungen in den notariellen Dachverbänden CNUE und UINL

Über den CNUE

Die Bundesnotarkammer engagiert sich auf europäischer Ebene im Dachverband der europäischen Notariate (Conseil des Notariats de l‘Union Européenne; CNUE). Der CNUE repräsentiert die gemeinsamen Interessen des europäischen Notariats lateinischer Prägung und dient als Forum für die Abstimmung der jeweiligen Mitgliedsnotariate in fachlicher wie rechtspolitischer Hinsicht. Daneben erarbeitet der CNUE in verschiedenen fachlichen Gremien abgestimmte Positionen zu Legislativverfahren auf europäischer Ebene. In ihm sind neben dem deutschen Notariat derzeit 21 weitere Mitgliedsnotariate – jeweils über ihre nationalen Kammern bzw. berufsständischen Vertretungen – vertreten.

Die Generalversammlung vom 10. Dezember 2025 in Brüssel

Bei der letzten der üblicherweise dreimal jährlich stattfindenden Generalversammlungen am 10. Dezember 2025 wurde der maltesische Notar Roland Wadge turnusmäßig zum neuen Präsidenten für das Jahr 2026 gewählt. Zu seiner Vizepräsidentin wurde die Niederländerin Annerie Ploumen bestimmt, die im Jahr 2027 ihre Präsidentschaft antreten wird. Die förmliche Amtsübergabe durch die scheidende luxemburgische Vorgängerin Cosita Delvaux erfolgte am 16. Januar 2026 in Malta. Die feierliche Zeremonie wurde von Ansprachen hochrangiger politischer Vertreterinnen und Vertreter begleitet, darunter die Staatspräsidentin von Malta, Myriam Spiteri Debono. Erstmals in der Geschichte des CNUE stellt Malta damit den Präsidenten. In seiner Amtszeit möchte sich Roland Wadge schwerpunktmäßig vor allem solchen Themen widmen, die derzeit für die meisten europäischen Notariate von besonderer Relevanz sind, etwa dem sog. 28. Regime, der European Business Wallet und dem europäischen Geldwäschepaket. Insbesondere sind dem neuen Amtsinhaber aber auch Fragen, die mit der Digitalisierung des Notariats zusammenhängen, ein besonderes Anliegen.

Die Ausstellung „Ink to Cloud“ vom 16. bis 20. März 2026

Dass Notarinnen und Notare im Lichte der fortschreitenden gesellschaftlichen Digitalisierung eine unverändert wichtige Rolle spielen, wird vom heutigen 16. März 2026 an in einer vom CNUE organisierten Ausstellung aufgezeigt. Die im Europäischen Parlament in Brüssel stattfindende Ausstellung unter dem Titel „Ink to Cloud – Securing transmission over centuries“ rückt den digitalen Wandel aus erbrechtlicher Perspektive in den Fokus, indem in drei Ausstellungsteilen historische Urkunden den modernen Herausforderungen bei der Abwicklung eines digitalen Nachlasses in der Gegenwart gegenübergestellt werden, etwa bei dem Vorhandensein digitaler „Assets“ wie Social Media-Accounts oder in einer Cloud gespeicherten Daten. Die Ausstellung unterstreicht, dass die vorsorgende Rechtspflege im Allgemeinen und der Notarberuf im Besonderen auch in Zeiten gesellschaftlicher und technologischer Veränderung Verlässlichkeit und Anpassungsfähigkeit garantieren können.

Die Ausstellung kann im Europäischen Parlament nur diese Woche (vom Montag, den 16. März, bis einschließlich Freitag, den 20. März) besichtigt werden, ist aber auch darüber hinaus im Internet unter www.notariesofeurope-exhibition.eu zugänglich. Die Bundesnotarkammer beteiligt sich an der Ausstellung mit mehreren notariellen Urkunden, insbesondere dem Testament von Georg von Bayern.

Über die UINL

Neben dem Engagement auf europäischer Ebene im CNUE bringt sich das deutsche Notariat auch aktiv im weltweiten Dachverband des lateinischen Notariats ein, der Internationalen Union des Notariats (Union Internationale du Notariat; UINL). In der Organisation sind derzeit 93 Notariate aus allen Teilen der Welt zusammengeschlossen. Ziel der UINL ist es, die internationale Zusammenarbeit des Notariats zu fördern, gemeinsame fachliche Standards zu entwickeln und die Bedeutung der vorsorgenden Rechtspflege im internationalen Rechtsverkehr zu stärken. Einen wichtigen Höhepunkt der internationalen Zusammenarbeit bildete zuletzt der 31. Internationale Kongress des Notariats, der im Oktober 2025 in Berlin stattfand und mehr als 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt zusammenführte. Der Kongress bot Gelegenheit zu einem intensiven fachlichen Austausch über die Zukunft des Notariats, insbesondere über die Auswirkungen neuer Technologien sowie über die Rolle der vorsorgenden Rechtspflege in einer zunehmend digitalisierten Welt.

Neue Legislaturperiode 2026–2028

Mit Beginn des Jahres 2026 hat eine neue Legislaturperiode der UINL begonnen. Im Rahmen der ersten institutionellen Sitzung Ende Februar 2026 in Mexiko-Stadt wurde die Amtszeit des neuen Präsidenten David Figueroa Márquez offiziell eröffnet. Auf der Agenda des tagenden Direktionsrats standen unter anderem die Vorstellung des Aktionsplans des Präsidenten für die Amtszeit 2026–2028, die Wahl der Mitglieder der interkontinentalen und kontinentalen Kommissionen sowie die Besetzung verschiedener Arbeitsgruppen.

Ausblick 

Für die laufende Legislaturperiode soll sich die UINL nach dem Willen ihres neuen Präsidenten ehrgeizige Ziele setzen. Nach seinem Aktionsplan soll sich die Organisation künftig noch stärker von einem primär repräsentativen Dachverband zu einer Plattform entwickeln, die Dienstleistungen, Kommunikation und Orientierung für das weltweite Notariat bereitstellt. Inhaltlich sollen sich die Arbeiten der kommenden Jahre auf den zentralen Themenkomplex des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Werts notarieller Urkunden konzentrieren und damit die präventive Funktion notarieller Tätigkeit für Rechtssicherheit, wirtschaftliche Stabilität und Konfliktvermeidung stärker sichtbar machen. Zur Umsetzung dieser Zielsetzung sieht der Aktionsplan unter anderem Maßnahmen zur stärker praxisorientierten Arbeit der Kommissionen sowie zum Ausbau digitaler Kommunikations- und Informationsstrukturen vor, um den internationalen Austausch innerhalb des weltweiten Notariats weiter zu vertiefen.

Markus Brückner, Referent Bundesnotarkammer Büro Brüssel

Über den Autor

Markus Brückner ist Notarassessor im Bezirk der Notarkammer Baden-Württemberg und als Referent im Brüsseler Büro der Bundesnotarkammer tätig.

Florian Kurze, Referent Bundesnotarkammer Büro Brüssel

Über den Autor

Dr. Florian Kurze ist Notarassessor im Bezirk der Notarkammer Sachsen und als Referent im Brüsseler Büro der Bundesnotarkammer tätig. 

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