EU Inc. and the future of the Single Market

Panel-Diskussion im Europäischen Parlament unter der Schirmherrschaft von MEP Lukas Mandl 


Wie kann die geplante europäische Gesellschaftsform „EU Inc.“ Unternehmensgründungen erleichtern und zugleich Rechtssicherheit und Vertrauen im europäischen Binnenmarkt gewährleisten? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Paneldiskussion am 19. Oktober 2026 im Europäischen Parlament in Straßburg. Die Veranstaltung fand im Rahmen der European SME Week statt und wurde von den Notarkammern Deutschlands, Italiens, Österreichs und Spaniens gemeinsam organisiert. Gastgeber war der Europaabgeordnete Lukas Mandl.

Den Auftakt bildete eine Keynote von Peter L. Murray (Harvard Law School). Er erläuterte das US-amerikanische Gesellschaftsrecht und teilte wertvolle Einblicke in das Gesellschaftsrecht des Bundesstaates Delaware, das häufig als Vorbild für die EU Inc. präsentiert wird. Seine Ausführungen bildeten die Grundlage für die anschließende Diskussion über die rechtlichen und institutionellen Voraussetzungen für eine erfolgreiche EU Inc.

Unter der Moderation von Dr. Markus Sikora, Präsident der Bundesnotarkammer, diskutierten auf dem Podium Lukas Mandl, Mitglied des Europäischen Parlaments, Lucien Burm vom niederländischen Startup-Verband, Gina Ende von der Hans-Böckler-Stiftung sowie Dr. Georg Adler, Außen- und europapolitischer Berater im Kabinett des österreichischen Bundeskanzlers. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen der geplanten Gesellschaftsform auf Start-ups, Scale-ups und innovative kleine und mittlere Unternehmen sowie die Anforderungen an ein modernes, grenzüberschreitend funktionsfähiges Gesellschaftsrecht.

EU Inc. muss mehr leisten als ein europäisches Pendant zu Delaware

Ein zentrales Ergebnis der Diskussion war, dass die EU Inc. besser werden kann und muss als das US-amerikanische Modell. Dafür braucht es ein Regelungsmodell, das den Anforderungen des europäischen Binnenmarkts gerecht wird und zugleich ein hohes Maß an Rechtssicherheit gewährleistet. Die bloße Übernahme des US-amerikanischen Delaware-Modells wäre hierfür kein ausreichender Maßstab. Ziel muss es sein, die Vorteile eines effizienten und international wettbewerbsfähigen Gesellschaftsrechts mit den Stärken der europäischen Rechtsordnungen zu verbinden. 

Entscheidend ist dabei das Vertrauen in die rechtlichen Grundlagen unternehmerischen Handelns. Verlässliche Unternehmensinformationen und transparente gesellschaftsrechtliche Verhältnisse sind wesentliche Voraussetzungen dafür, dass Gründerinnen und Gründer, Investoren, Beschäftigte und Geschäftspartner grenzüberschreitend miteinander wirtschaften können.

Präventive Kontrolle als Grundlage für Vertrauen

In der Diskussion wurde deutlich, dass eine wirksame präventive Kontrolle ein elementarer Bestandteil einer erfolgreichen EU Inc. sein muss. Eine effiziente und digital ausgestaltete Unternehmensgründung darf nicht zulasten der Verlässlichkeit des Handelsregisters und der Rechtssicherheit für die Beteiligten gehen.

Die präventive Kontrolle gesellschaftsrechtlicher Vorgänge sichert die Identität und Vertretungsbefugnis der Handelnden, erkennt unzulässige Gestaltungen frühzeitig und vermeidet Streitigkeiten möglichst bereits im Vorfeld. Sie schafft damit eine belastbare Grundlage für verlässliche Unternehmensinformationen und einen funktionierenden Rechtsverkehr.

Die Herausforderung für den europäischen Gesetzgeber besteht folglich darin, Verfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen, ohne auf wirksame Schutzmechanismen zu verzichten. Digitalisierung und Rechtssicherheit sind dabei keine Gegensätze. 

Die gemeinsame Veranstaltung der Notarkammern aus Deutschland, Italien, Österreich und Spanien unterstrich die Bedeutung eines grenzüberschreitenden Dialogs über die Ausgestaltung des geplanten europäischen Gesellschaftsrechts. Die EU Inc. bietet die Chance, die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen zu stärken. Damit sie dieses Potenzial entfalten kann, muss sie jedoch nicht nur einfach und schnell, sondern vor allem auch verlässlich und rechtssicher sein.

Weitere Nachrichten

Schneller gründen, sicher wachsen – wie gelingt die EU Inc.?

Parlamentarischer Abend der Bundesnotarkammer in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft unter der Schirmherrschaft von Mahmut Özdemir MdB

Mehr lesen

Elektronische Abschriften von Vorsorgedokumenten ab dem 1. Oktober im Zentralen Vorsorgeregister abrufbar

Ab heute können elektronische Abschriften von Vorsorgedokumenten im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer hinterlegt werden. Ärztinnen und(…)

Mehr lesen

Der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder warnt vor Verlust an Rechtssicherheit durch die „EU Inc.“

Der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder warnt vor einem Verlust an Rechtssicherheit durch die von der EU-Kommission geplante Einführung(…)

Mehr lesen
XS
SM
MD
LG