Notarfachangestellte

Statistisch beschäftigt ein hauptberuflicher Notar fünf bis sieben Notarfachangestellte, ein Anwaltsnotar dagegen im Notarbereich ein bis zwei Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte. Die Größe der Notarbüros hat u. a. Einfluss auf die Möglichkeit zur Arbeitsteilung und späteren Spezialisierung der Notarfachangestellten bzw. Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten.
Für die Mitarbeit im Notariat sind jede Menge Talente gefragt. Schließlich ist die Arbeit bei Notarinnen und Notaren ganz schön vielseitig. Aber eben auch nie langweilig. Zumal die Mandanten bei diesem Job im Mittelpunkt stehen. Das heißt, für jedes ihrer Probleme muss eine Lösung gefunden werden. Dazu müssen auch Sie als Mitarbeiter die Sprache der Mandanten verstehen und dazu beitragen, dass sie in die juristische übersetzt werden kann. Und umgekehrt.

Zur täglichen Arbeit bei Notarinnen und Notaren gehört aber nicht nur, erste Vorgespräche mit den Mandanten zu führen. Auch Telefonate und der Briefwechsel mit allen Beteiligten samt Behörden fallen in Ihren Aufgabenbereich. Außerdem helfen Sie dabei, Urkunden vorzubereiten, überwachen deren Vollzug und kümmern sich um den Eintrag in das Grundbuch und das Handelsregister. Dann führen die Angestellten des Notars noch die Akten und stellen Rechnungen aus.

Damit das alles auch reibungslos klappt, stellen die Notarinnen und Notare Ihnen selbstverständlich einiges an Handwerkszeug zur Verfügung: Von Telefon und Fax, über den Computer bis hin zum Gesetzbuch. Das Internet werden Sie natürlich auch nutzen.

Wenn Sie also mit Menschen genauso gerne zu tun haben, wie mit moderner Technik, dann ist die Arbeit beim Notar genau richtig für Sie. Zumal Sie dabei auch Verantwortung tragen und durch Ihre Arbeit anderen Menschen weiterhelfen. Kurzum: Bei Notaren sind echte Allrounder gefragt.

Ablauf der Ausbildung

Die Ausbildung dauert drei Jahre, kann aber verkürzt werden, wenn wegen einer früheren Ausbildung oder aus sonstigen Gründen die Ausbildung voraussichtlich in kürzerer Zeit erfolgreich beendet werden kann. (Eine automatische Anrechnung von Schulabschlüssen auf die Ausbildungsdauer findet nicht statt.) Die Ausbildung kann verlängert werden, wenn die Abschlussprüfung nicht bestanden wurde oder das Ausbildungsziel innerhalb von drei Jahren voraussichtlich nicht erreicht wird. Bei besonders guten Leistungen kann die Abschlussprüfung vorgezogen werden. Weitere Informationen können bei den jeweiligen Notarkammern oder Notarkassen in den Ländern erfragt werden.

Im ersten Ausbildungsjahr ist die Ausbildung der Notarfachangestellten und der Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten gleich. Im zweiten und dritten Jahr werden dann die in den unterschiedlichen Berufen erforderlichen Fachkenntnisse gesondert vermittelt.

Im ersten Jahr lernen die Auszubildenden vor allem die Grundsätze der Büropraxis, Büroorganisation und der Rechtsordnung kennen. Im zweiten und dritten Jahr steht zum einen die Mitarbeit bei der Behandlung von Fällen aus verschiedenen Rechtsgebieten (z. B. bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht) im Vordergrund. Daneben arbeiten die Auszubildenden im Urkundswesen und beim Führen der Bücher des Notars sowie bei der Abwicklung von Grundstücksangelegenheiten mit und erstellen Kostenrechnungen. Die Ausbildung zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten beinhaltet außerdem die Mitarbeit bei Fällen aus dem anwaltlichen Bereich (also z. B. zusätzlich Arbeitsrecht, Strafrecht, öffentliches Recht) sowie in der Zwangsvollstreckung.

Die Ausbildung erfolgt in der Ausbildungskanzlei und in der Berufsschule. Der Umfang des Berufsschulbesuchs richtet sich nach Landesrecht und kann bei den jeweiligen Notarkammern oder Notarkassen in den Ländern erfragt werden. Bei der Gestaltung der Ausbildung bestehen Unterschiede. Berufsschulunterricht findet teils als wöchentlicher Unterricht mit 7 bis 14 Stunden Dauer und teils in Form von Blockveranstaltungen mit einer Dauer von 12 bis 15 Wochen je Schuljahr statt. In sieben Kammerbereichen (Brandenburg, Frankfurt am Main, Hamm, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) gibt es darüber hinaus bereits im Bereich der Ausbildung zusätzliche Ausbildungselemente außerhalb des Berufsschulunterrichts und der praktischen Ausbildung im Notariat.

Notarfachangestellte und Rechtsanwaltsfachangestellte können sich auf einen zweiten Berufsteil umschulen lassen. Dabei werden bereits bestandene Prüfungsteile angerechnet.

Zwischen dem 12. und dem 18. Ausbildungsmonat erfolgt eine schriftliche Zwischenprüfung, die im Bereich des hauptberuflichen Notariats von der regionalen Notarkammer bzw. Notarkasse und im Bereich des Anwaltsnotariats von der Rechtsanwaltskammer abgenommen wird. Die Teilnahme an der Zwischenprüfung ist Voraussetzung für die Abschlussprüfung. Sie dient der Kontrolle des Ausbildungsstands und hat auf die Abschlussprüfung keine Auswirkungen. Die Abschlussprüfung besteht aus einem mündlichen und schriftlichen Teil.

Im Laufe des Berufslebens wird die Fortbildung immer wichtiger, um mit rechtlichen Änderungen Schritt halten zu können. In 15 Kammerbereichen organisiert die Kammer bzw. Notarkasse spezielle Fortbildungsmaßnahmen für Notarfachangestellte, und zwar außerhalb von Maßnahmen, die zu einem qualifizierten Abschluss führen. Die Häufigkeit und Resonanz dieser Veranstaltungen unterscheiden sich regional deutlich und bewegen sich zwischen einem und neun Terminen jährlich bei 30 bis 200 Teilnehmern.

Bezahlung

Den Auszubildenden steht eine angemessene Vergütung zu. Tarifverträge gibt es nur in wenigen Fällen. Allerdings haben die örtlich zuständigen Notarkammern bzw. Notarkassen Mindestvergütungssätze festgelegt, die nur in besonders begründeten Fällen unterschritten werden dürfen. Diese Vergütungssätze können bei den örtlich zuständigen Notarkammern bzw. Notarkassen erfragt werden. Es bestehen regionale Unterschiede, abhängig von Ausbildungsstand und vor allem Ausbildungsort. Eine über die Vergütungssätze hinaus gehende Bezahlung ist möglich, muss allerdings im Ausbildungsvertrag vereinbart werden.

Fortbildungsmöglichkeiten

Die Fortbildungsmöglichkeiten für Notarfachangestellte und Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte sind regional unterschiedlich geregelt. Voraussetzung für die Erlangung der verschiedenen qualifizierten Abschlüsse ist die Teilnahme an Fortbildungskursen und das Bestehen der jeweiligen Prüfungen. Die Fortbildung ist Spiegelbild der unterschiedlichen Notariatsverfassungen und führt je nach Region zu unterschiedlichen Abschlüssen. Es lassen sich z. Zt. einstufige und zweistufige Fortbildungen unterscheiden. Dementsprechend gibt es unterschiedliche Fortbildungs- und Prüfungsordnungen. Die Fachangestelltenfortbildung im Notarbereich liegt in den Händen der regionalen Notarkammern bzw. Notarkassen, bei denen auch weitere Informationen eingeholt werden können.

Die Angebote zum Erwerb qualifizierter Abschlüsse sind vielgestaltig. In Bayern und der Pfalz gibt es den Inspektor im Notardienst, in den neuen Bundesländern den Leitenden Notarmitarbeiter, in Braunschweig, Bremen und Celle den Notariatsfachwirt, in Berlin, Frankfurt am Main und Kassel den Notarfachwirt, in Hamm den Geprüften Rechts- und Notarfachwirt, in Koblenz, dem Saarland und dem Gebiet der Rheinischen Notarkammer das zweistufige System der Fortbildung zum Notarfachassistenten und zum Notarfachreferenten und nicht zuletzt in Schleswig-Holstein den Rechts- und Notarfachwirt.

Die für das Erreichen des jeweiligen Abschlusses erforderlichen Unterrichtszeiten belaufen sich je nach Modell auf 200 bis 240 Stunden. Lediglich die Ausbildung zum Geprüften Rechts- und Notarfachwirt bei der Notarkammer Hamm mit 450 Stunden stellt insofern eine deutliche Abweichung dar, da die Fortbildung auch zugleich im Rechtsanwalts- und Notarbereich erfolgt. Unterschiedlich ist weiterhin die mit dem Erwerb des Abschlusses verbundene Dauer der Abwesenheit vom Büro. Die Abwesenheitsdauer variiert je nachdem, ob die Kurse am Wochenende stattfinden oder als Blockveranstaltungen angesetzt werden. Bei den Fortbildungen der Notarkasse sowie der zweistufigen Fortbildungskonzeption im Rheinland, Saarland und bei der Notarkammer Koblenz müssen sogar insgesamt acht bis neun Wochen Abwesenheit vom Arbeitsplatz veranschlagt werden.