The Subprime Solution – Economic Impact of Impartial Advice and Legal Control in Real Estate and Mortgage Lending Transactions - Vortrag von Prof. Robert J. Shiller

18.03.2010, Brüssel
Im Dezember 2007 hat die Europäische Kommission ihr Weißbuch zur Integration der Hypothekarkreditmärkte in der EU vorgelegt. Während die Diskussion hierüber noch im Gange ist, mehren sich die Zweifel am Nutzen fortschreitender Deregulierung. Der Ruf nach mehr Transparenz und Verlässlichkeit der Systeme wird immer lauter.
In seinem jüngst erschienenen Werk „The Subprime Solution“ präsentiert der renommierte Ökonom Robert J. Shiller von der amerikanischen Yale University Gedanken, wie sich Qualität und Verlässlichkeit des amerikanischen Hypothekenmarkts durch Einschaltung unparteilicher und unabhängiger Rechtsberater „nach Vorbild z.B. des deutschen Notars“ in die Vertragsgestaltung nachhaltig verbessern lassen. So wäre nach Shiller sichergestellt, dass Grundstückskäufe und Hypothekenbestellungen nicht ohne hinreichende Kenntnis der mit ihnen verbundenen rechtlichen und wirtschaftlichen Risiken abgeschlossen werden.

Tatsächlich scheinen Mitgliedstaaten in der EU mit einem eher reglementierten Grundstücks- und Hypothekenmarkt weit weniger anfällig zu sein für die Auswirkungen der globalen Finanzkrise als die deregulierten Märkte. Gleichzeitig zeigt sich, dass Betrugsszenarien wie „house-stealing“ oder Scheinhypotheken, die in den U.S.A. in wachsendem Umfang zu beobachten sind, in Mitgliedstaaten mit notarieller Beteiligung an Grundstückstransaktionen und mit einem eἀzienten öffentlichen Registerwesen so gut wie unbekannt sind.

Shillers Ideen geben Anlass, sowohl die ökonomischen als auch die rechtlichen Implikationen eines derartigen Systems „vorsorgender Rechtspflege“ näher zu beleuchten. Die Veranstaltung soll zeigen, in welchem Maße der europäische Ansatz frühzeitiger Beteiligung eines unabhängigen und unparteiischen Amtsträgers wie des Notars an der Vertragsgestaltung tatsächlich nachhaltig zur Effizienz und Qualität von Grundstücks- und Hypothekartransaktionen beiträgt. Wie kann ein Transaktionssystem gleichzeitig für rechtssichere und ausgewogene Verträge gut unterrichteter Parteien, eine ebenso schnelle wie kostengünstige verlässliche Klärung der Eigentumsverhältnisse, einen raschen Vollzug von Grundstückstransaktionen und einen ausreichenden Schuldnerschutz sorgen? Und welchen Einfluss haben all diese Faktoren auf das Verhalten der Grundstücksmärkte?